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Minergie-P: Die sieben wichtigsten Fragen zur Zertifizierung von Niedrigstenergie-Bauten

Der Baustandard Minergie steht für einen besonders niedrigen Energieverbrauch, Wirtschaftlichkeit und Komfort. Ist ein Minergie-Zertifikat für eine Immobilie vorhanden, ist mit Sicherheit die entsprechende Gebäudetechnik verbaut. Voraussetzung für dieses Qualitätslabel sind ein Mindestanteil an erneuerbaren Energien und eine dichte Gebäudehülle. Dabei lassen sich die Vorgaben zu Eigenversorgung, Energieeffizienz und Bauökologie spezifisch erweitern. Minergie-P ist dabei die Variante, die vom ursprünglichen Passivhauskonzept abgeleitet wurde und die höchste Anforderungen bezüglich der Energieeffizienz an Neubauten und sanierte Gebäude stellt. In diesem Artikel bekommst du die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet sowie worauf du bei deinem Bauvorhaben besonders achten solltest.

Was genau ist Minergie-P und wer stellt dieses Zertifikat aus?

Minergie-P ist ein Gebäudeenergiestandard in der Schweiz, der auf einen äusserst niedrigen Energieverbrauch ausgerichtetet ist und sich an der 2000-Watt-Gesellschaft für das Bauwesen orientiert. Träger des Minergiestandards ist der Schweizer Verein Minergie. Angefangen von der Gebäudehülle über die Haustechnik bis hin zur Lage einzelner Räume wird die Immobilie genau unter die Lupe genommen und hinsichtlich ihrer Energieeffizienz beurteilt. Die Vorgehensweise der Beurteilung ist in der Norm SIA 380/1:2009 vorgeschrieben. Bei älteren Gebäuden sollen bestehende Bauweisen beibehalten werden und die Bauteile werden auf ihr thermisches Verhalten statisch und dynamisch beurteilt. Die Zertifikate werden von den Zertifizierungsstellen des Vereins Minergie ausgestellt. Die Hochschule Luzern Technik & Architektur (HSLU) war die erste Zertifizierungsstelle der Schweiz. Kantonsübergreifend gibt es in der Zwischenzeit eine Vielzahl von Zertifizierungsstellen mit regionaler Zuständigkeit. Neben der Antragsbearbeitung und -prüfung findet hier auch technischer Support statt. Auf der Internetseite des Vereins Minergie kannst du eine Zertifizierungsstelle nahe deinem Wohnsitz suchen.

Wie hoch darf der Energieverbrauch bei Minergie-P sein?

Die Baustandards bei Minergie-P sind extrem hoch. Der Energieverbrauch muss etwa 25 bis 30 Prozent unter den gesetzlichen Vorgaben liegen. Dabei wird die Wärmebilanz, aber auch die Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes beachtet. Dazu zählt auch die elektrische Energie für Haustechnik, Beleuchtung, Haushaltsgeräte und für das Warmwassersystem. Eine Minergie-P-Zertifizierung ist für Neubauten und mit entsprechender Technik auch für modernisierte Gebäude möglich. Es spielt aber auch der Gebäudetyp eine Rolle. Eine Minergie-P-Zertifizierung gelingt am einfachsten, wenn zum Heizen und für die Warmwassererwärmung erneuerbare Energien eingesetzt werden. Dazu zählen Holz, Umgebungswärme mit Wärmepumpe und Sonnenenergie. Die Minergie-Kennzahl beträgt bei bewohnten Neubauten 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (gewichtete Endenergie). Für neue Wohngebäude gilt eine Energiekennzahl von 38 Kilowattstunden pro Quadratmeter, während für Restaurants und Krankenhäuser wesentlich höhere Grenzwerte gelten. Bei Gebäuden, die vor 2000 gebaut wurden, gelten mit einer Energiekennzahl von 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter ebenfalls niedrigere Anforderungen.

Welche Minergie-P-Anforderung muss die Technik erfüllen?

Der Energieverbrauch lässt sich weiter senken, wenn die Sonne als passive Wärmequelle genutzt wird. Diese Anforderungen müssen bereits in der Planungsphase mit einbezogen werden. Ein Gebäude, das die Minergie-P-Anforderungen erfüllt, hat meistens grosse, nach Süden hin ausgerichtete Fensterfronten bei einer kompakten Gebäudeform. Wichtig ist es, die Dämmung des gesamten Hauses zu optimieren. Die Nutzung von erneuerbaren Energien steht absolut im Vordergrund. Folgende Kriterien tragen zu einer Minergie-P-Zertifiziung bei:

  1. Photovoltaik
  2. Neubauten ohne fossile Brennstoffe
  3. Energieeffiziente Beleuchtungs- und Haustechnik
  4. Lüftungskontrolle
  5. Thermischer Komfort im Sommer

Eine Lüftungsanlage kontrolliert die Frischluftzufuhr des Gebäudes. Dabei wird in den meisten Fällen gleichzeitig eine Wärmerückgewinnung realisiert. Durch eine kontrollierte Belüftung ist sichergestellt, dass innerhalb des Gebäudes eine gute Luftqualität ohne übermässige Lüftungsverluste erreicht wird. Ein guter Wärmeschutz mit oder ohne Kühlung muss ebenfalls umgesetzt sein. Dazu zählen Sonnenschutz, thermische Behaglichkeit, Kühlung, Kälteerzeugung durch eine Klimaanlnage und die Wärmespeicherfähigkeit.

Welche Anforderungen muss eine Gebäudehülle erfüllen?

Die Gebäudehülle muss nach Minergie-P-Standard dicht und kompakt sein. Die Primäranforderungen des Minergie-Standards betreffen Wärmedämmung und die passive solare Wärmegewinnung. Dabei spielt auch die Ausrichtung des Hauses nach dem Sonnenstand und eine eventuelle Verschattung eine Rolle. Die Gebäudehülle wird auf ihre Luftdichtheit überprüft. Voraussetzung ist ebenfalls eine Eigenstromerzeugung sowie bei grossen Gebäuden ein Energiemonitoring. Die Luftdichtheit betrifft nicht nur die thermische Gebäudehülle – die Anforderungen an die Luftdichtheit müssen auch bei Trennbauteilen innerhalb der Immobilie erfüllt werden, also etwa bei Wohnungstrennwänden und -decken.

Was bedeutet der Eco-Zusatz bei Minergie?

Minergie eco ergänzt die drei Minergiebaustandards um die wichtigen Themen Bauökologie und Gesundheit. Insgesamt 80 Kriterien für Neubauten und 78 Kriterien für Modernisierungen umfasst der sogenannte Eco-Katalog. Dazu zählen:

  • gesundheitliche Aspekte, die das Tageslicht, Schallschutz und das Innenraumklima berücksichtigen
  • bauökologische Anforderungen wie Graue Energie, nachhaltiges Gebäudekonzept sowie Prozesse und Materialisierung

Wie bekomme ich das Minergie-Zertifikat?

Der Weg zum Zertifikat führt über die folgenden Schritte:

  1. Fachplaner und Bauherr entwickeln gemeinsam ein Vorprojekt und reichen es bei der zuständigen Zertifizierungsstelle ein.
  2. Die Zertifizierungsstelle prüft den Antrag. Eventuell musst du Fragen beantworten oder es müssen Nachforderungen erfüllt werden.
  3. Sind alle Anforderungen geleistet, wird ein provisorisches Zertifikat erstellt. Das geplante Haus darf sich ab jetzt Miniergie-P-Gebäude nennen.
  4. Das Gebäude wird erstellt.
  5. Das Haus wird in Betrieb gesetzt und eine Baubestätigung wird bei den Zertifizierungsstellen eingereicht.
  6. Die verantwortliche Zertifizierungsstelle prüft die eingereichten Unterlagen.
  7. Das endgültige Minergie-Zertifikat wird ausgestellt.
  8. Auf Wunsch wird die Haustechnik mit MQS-Betrieb optimiert und in idealerweise ergänzt. Dabei handelt es sich um eine Beratung vor Ort durch einen Minergie-Experten.

Welche Vorteile haben Bauherren durch ein Niedrigstenergie-Haus?

Neben der Schonung von Umwelt und Gesundheit geniessen Bauherren bei Wohnbauten in Niedrigstenergiebauweise auch einige finanzielle Vorteile mit dem Minergie-Zertifikat:

  1. Der Immobilienwert des Hauses steigt.
  2. Qualitätssicherung durch Bau und Betrieb des Wohnhauses.
  3. Senkung der laufenden Kosten.
  4. Investitionen in die energetische Sanierung von bestehenden Wohnbauten können von den direkten Bundessteuern und auch von den kantonalen Steuern abgezogen werden. Dazu zählen beispielsweise Massnahmen zur Rückgewinnung von Wärme, die Wärmedämmung und der Einsatz von erneuerbaren Energien.
  5. Verschiedene Gemeinden erlauben eine höhere Ausnützungsziffer. Das bedeutet, dass du ein grösseres Haus bauen darfst, wenn es nach Minergie zertifiziert ist.
  6. Eine Minergie-Gebäudezertifizierung ermöglicht dir den Zugang zu zahlreichen Förderprogrammen von Kantonen, Gemeinden und auch Banken. Der Antrag auf Fördermittel muss dabei vor Baubeginn gestellt werden.

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