Leider unterstützen wir Internet Explorer nicht mehr.

Bitte verwenden Sie Microsoft Edge, Google Chrome oder Firefox.

Finde die besten Architekten in deiner Nähe
>
Ratgeber-Übersicht
>
Der Anhydritestrich – schnell trocknend, aber feuchtigkeitsempfindlich

Der Anhydritestrich – schnell trocknend, aber feuchtigkeitsempfindlich

Der Estrich verschwindet unter dem Bodenbelag und doch kommt ihm eine wichtige Funktion zu. Er lässt die Rohre und Kabel des Rohbaus unsichtbar werden und gleicht die Unebenheiten der Betonplatte aus. Ist dieser ebene Untergrund ausgehärtet, werden Parkett, Fliesen oder Laminat darauf ausgelegt. Meist kommen drei Estricharten zum Einsatz: der Anhydritestrich, der Zementestrich oder der Trockenestrich. Welcher Estrich sich besser für ein Einfamilienhaus eignet, darüber sind sich auch Architekten oft nicht einig. Fakt ist: Alle Varianten haben Vor- und Nachteile. Wir beantworten dir in diesem Artikel die wichtigsten Fragen rund um den Anhydritestrich und wann sein Einbau empfehlenswert ist.

Was ist der Unterschied zwischen Anhydrit-, Trocken- und Zementestrich?

Beim Bau eines Einfamilienhauses kommt meist einer dieser Estricharten zum Einsatz. Der Architekt bestimmt gemeinsam mit dem Bauherrn das richtige Verfahren. Folgende Eigenschaften zeichnen die drei Estricharten aus:

  1. Anhydritestrich: Der Anhydritestrich ist ein Fliessestrich, bei dem Calciumsulfat (Gips) als Bindemittel verwendet wird. Er verfügt über hervorragende Wärmeleit- und Wärmespeicherfähigkeiten und ist daher bestens für eine Verlegung über einer Fussbodenheizung geeignet. Bereits nach einer kurzen Trocknungsphase kann der Bodenbelag verlegt werden. Der Heizestrich ist dabei eine Sonderform des schwimmenden Anhydritestrichs. Eine Trennschicht aus Folie und Dämmplatten wird ausgelegt und die Rohrleitungen der Fussbodenheizung werden von der Estrichmasse umschlossen. So sind ein optimaler Schallschutz und eine ideale Wärmedämmung bei einer geringen Dicke des Estrichs gewährleistet. Zudem ist Calciumsulfat nicht brennbar und bietet im Brandfall durch das austretende Kristallwasser einen zusätzlichen aktiven Brandschutz.
  2. Zementestrich: Die Hauptbestandteile des Zementestrichs sind Sand, Wasser und Zement als Bindemittel. Zementestrich gehört ebenfalls zu den Fliessestrichen und wird wegen seiner Robustheit gegenüber Feuchtigkeit im Innen- und Aussenbereich gleichermassen eingesetzt. Zusätzlich verfügt der Zementestrich über eine hohe Festigkeit, benötigt aber eine Trocknungszeit von mindestens 28 Tage bis zur Belegreife. Während der Trocknungszeit muss der Zementestrich zuverlässig vor Zug und Feuchtigkeit geschützt werden, um Risse zu vermeiden. Die Umgebungstemperatur muss während der Trocknungsphase mindesten fünf Grad Celsius betragen.
  3. Trockenestrich: Beim sogenannten Trockenestrich werden vorgefertigte Platten auf dem Boden ausgelegt, miteinander verklebt und durch Klammern oder Schrauben verbunden. Meist handelt es sich dabei um Gipskartonplatten, mit Zement gebundene Holzspanplatten oder Holzwerkstoffplatten. Um Unebenheiten auszugleichen, wird zusätzlich eine Trockenschüttung in Form von Granulat aufgebracht, die eine tragfähige Ausgleichsschicht bildet. Das Granulat besitzt zudem wärmedämmende Eigenschaften. Beim Einbau eines Trockenestrichs gelangt keinerlei Feuchtigkeit in den Rohbau und es gibt keine Trockenzeiten. Direkt nach dem Aushärten der Klebeverbindungen kann der Trockenestrich mit dem Endbelag versehen werden.

Wie läuft die Verarbeitung des Anhydridestrichs ab?

  1. Dämmung des Bodens: Für eine bessere Wärme- und Trittschalldämmung wird der Anhydritestrich schwimmend auf einer Dämmschicht eingebracht. Vor dem Einfüllen des Estrichs werden Trittschalldämmplatten auf der Rohbaudecke verlegt, um zu verhindern, dass Estrich und Boden eine direkte Verbindung eingehen.
  2. Anlieferung der Trockenmischung: Der Anhydritestrich wird als Trockenmischung auf der Baustelle angeliefert und vor Ort mit Wasser vermischt.
  3. Einbringen der Estrichmasse: Eine Estrichpumpe befördert die flüssige Estrich-Rohmasse in das Gebäude, wo sie verteilt wird. Der Anhydritestrich besitzt eine relativ flüssige Konsistenz und die Estrichmasse nivelliert sich von alleine. Ein mühsames Verdichten oder Glätten des Estrichs entfällt.
  4. Abschleifen: Nach dem Trocknen muss die Sinterschicht auf der Estrichoberfläche unbedingt abgeschliffen werden. Dadurch wird ermöglicht, dass die Grundierung, aber auch ein Fliesen- oder Parkettkleber ausreichend auf der Estrichoberfläche haften. Nach dem Abschleifen saugst du den entstandenen Staub ab.
  5. Grundierung: In den allermeisten Fällen ist eine Grundierung des Anhydritestrichs notwendig. Sie bietet einen Schutz des Bindemittels Calciumsulfat vor Feuchtigkeit. Gips neigt zum Quellen und zu Formveränderungen, wenn Wasser eindringt. Die Grundierung soll zuverlässig die Feuchtigkeit abhalten.

Wie wird die Belegreife des Anhydritestrichs ermittelt?

Die Mindesttrocknungszeit für alle Estricharten ist vorgeschrieben. Sicherheitshalber muss aber immer noch einmal manuell überprüft werden, ob die Belegreife tatsächlich erreicht ist. Dazu bestimmt der Bodenleger mit der CM-Messung, die als Standardmessverferfahren eingesetzt wird, die Restfeuchte im Estrich. Durch Anbohren wird dem Estrich eine kleine Probe entnommen. Diese wird mit Calciumcarbid versetzt und erzeugt dadurch Acethylengas. Über den Druckanstieg im Probenbehälter wird die Menge des erzeugten Gases abgelesen und so der Feuchtegehalt ermittelt. Der Anhydritestrich darf für die Belegreife eine maximale Restfeuchte von 0,5 Prozent aufweisen. Bei einem Heizestrich sollte die Restfeuchte noch geringer sein.

Welche Nachteile hat ein Anhydritestrich?

Zu den Nachteilen des Anhydridestrichs zählen:

  1. Extreme Feuchtigkeitsempfindlichkeit
  2. Geringere Belastbarkeit als ein Zementestrich
  3. Aufwändig zum Verlegen
  4. Nachbearbeiten mit Schleifen und Grundieren zwingend notwendig

Welcher Estrich eignet sich für ein Einfamilienhaus?

Entscheidest du dich bei deinem Bauprojekt für eine Fussbodenheizung und idealerweise einen Fliesenbelag, kannst du dich ohne Probleme für einen Anhydritestrich entscheiden. Die kurze Trocknungszeit und die guten Wärmedämmeigenschaften sind für diesen Anwendungsfall von grossem Vorteil. Für die Badezimmer und andere Räume mit hoher Feuchtigkeit eignet sich dieser Estrich hingegen nicht so gut.

Was passiert bei einem Wasserschaden?

Ein Wasserschaden ist für einen Anhydritestrich ein grosses Problem, das du keinesfalls anstehen lassen solltest, denn der Gips neigt dazu, aufzuquellen. Ist der Anhydritestrich als Heizestrich verlegt und kommt zusätzlich Wasser in die Dämmschicht, ist der Schaden meist noch grösser. Das Dämmmaterial fällt binnen weniger Tage in sich zusammen und die isolierende Wirkung ist zerstört. Nach kurzer Zeit kann bereits Schimmel entstehen, der nur schwer zu beseitigen ist. Nach einem Wasserschaden musst du deshalb unverzüglich mit einer Trocknung mittels Trockengeräten beginnen. Der Estrich darf in dieser Zeit nicht belastet werden. Ist das Dämmmaterial auch durchnässt, müssen Löcher gebohrt werden, durch die warme Luft in die Dämmschicht geblasen wird.

Welche Aufgabe hat der Architekt beim Estrich?

Die Aufgaben eines Architekten umfassen nicht nur die Planung des Hauses. Zu seinen angebotenen Leistungen gehören ebenso das Ausschreiben der Gewerke und die Überwachung der Arbeiten. Als Bauherr bestimmst du, welche Leistungen der Architekt auf deiner Baustelle übernimmt. Eine wichtige Funktion ist dabei die Beratung. Der Architekt klärt dich über die Vor- und Nachteile eines Estrichs auf und stimmt die Estrichhöhe genau auf deinen Fussbodenbelag ab. Zudem plant er in die gesamte Bauphase die notwendigen Trocknungszeiten ein, damit ein reibungsloser Baufortschritt garantiert ist.

Der Architektvergleich für die Schweiz. Finde die besten Architekten in deiner Nähe - mit Preisen und Bewertungen!

Das könnte dich auch interessieren

Hindernisfreies Bauen – barrierefreie Bewegung für mobilitätseingeschränkte Personen

Viele Menschen sind in ihrer Mobilität eingeschränkt. Sei es, weil sie im Rollstuhl sitzen, aus Altersgründen nicht mehr gut laufen können oder andere Handicaps aufweisen – ihre Bedürfnisse müssen beim Bau berücksichtigt werden. Dies gilt vor allem dann, wenn du eine Person mit Handicap in der Familie hast oder wenn du ein öffentliches Gebäude baust. Für Privathäuser ist das hindernisfreie Bauen kein Muss, aber oft hilfreich und ausserdem ein intelligenter Schachzug in Bezug auf dein eigenes Alter. In diesem Beitrag erfährst du mehr zum Thema hindernisfreie Architektur, zu den Regeln des hindernisfreien Bauens sowie zu Ergänzungsleistungen und Beratungsstellen.

Bauabnahme – der finale Schritt zur eigenen Immobilie

Für viele Menschen stellt der Bau oder der Kauf einer eigenen Immobilie einen wichtigen Meilenstein in ihrem Leben dar und ist meist finanziell und emotional ein grosser Schritt. Um möglichst reibungslos endlich den Schlüssel zum Wohneigentum zu übernehmen, steht abschliessend die Bauabnahme an. Sie sollte gut vorbereitet sein, sodass es später nicht zu bösen Überraschungen kommt. Alles Wissenswerte rund um das Thema gibt es hier.

Haus umbauen – Tipps für ein erfolgreiches Projekt

Du möchtest dein Haus umbauen? Dann erwarten dich viele Möglichkeiten für eine optimale und reibungslose Planung. In diesem Beitrag erfährst du, welche Optionen du für den Umbau deines Hauses hast und erhältst zahlreiche nützliche Tipps. Falls du schon konkret weisst, wie du dein Haus umbauen möchtest, informieren wir dich über alle notwendigen Details, wenn nicht, erwarten dich viele interessante Ideen. Rund um Modernisierung, Anbauten und Bürokratie erhältst du wichtige Informationen. So sparst du dir einen Hausbau und lässt dein Einfamilienhaus oder die Wohnung wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Pergola selber bauen – am leichtesten mit einem Bausatz

Wer eine Pergola selber bauen will, muss kein ausgebildeter Schreiner sein. Wenn es kein massgefertigtes, individuell geplantes Exemplar sein muss, hat der Fachhandel dafür Bausätze jeder Grösse und Ausführung im Angebot. Eine Pergola zu bauen ist immer dann eine passende Lösung, wenn ein Platz Schatten, Schutz vor Witterung oder auch nur ein Dach bekommen soll. Eine Pergola hat meistens eine leichte Rahmenkonstruktion oder steht auf vier Pfeilern. Das Dach besteht entweder nur aus Dachsparren oder ist mit einer gedeckten Verschalung versehen. Ist auf der Terrasse etwas mehr Privatsphäre gewünscht, lässt sich eine Pergola zudem seitlich mit Sichtschutzelementen ausstatten.

Travertin – dekorativer Naturstein zur Verschönerung von Haus und Grundstück

Um das eigene Zuhause in eine Wohlfühloase zu verwandeln, kommt es nicht nur auf stilvolle Möbel und farbenfrohe Dekorationen an. Auch der passende Bodenbelag spielt eine wichtige Rolle. Sollen es weisse oder graue Fliesen in der Küche sein? Diese Entscheidung ist nicht einfach, denn die Auswahl an hochwertigen Natursteinen ist gross. Wer sich italienisches Flair in die eigenen vier Wände holen möchte, trifft mit Travertin die richtige Wahl. In den folgenden Abschnitten erhältst du zahlreiche Informationen zum mediterranen Naturstein.

Die anrechenbare Geschossfläche – wichtige Angabe zur Liegenschaft

Die Bestimmung der Grösse einer Immobilie führt oft zu Konflikten. Umso wichtiger ist es für dich sowohl beim Bauen als auch beim Kaufen, die vorhandene Fläche genau auszumessen. Insbesondere als Käufer solltest du dich dabei unterstützen lassen, den Grundriss schon bei einem ersten Rundgang zu überprüfen. Die anrechenbare Geschossfläche besteht dabei aus Komponenten wie etwa den Hauptnutzflächen, den Verkehrsflächen und den Konstruktionsflächen. Hier erfährst du mehr über die anrechenbare Geschossfläche, die zum Beispiel auch beim Bau einer Immobilie wichtig ist. Ausserdem geht es darum, wer dich zu diesem Thema beraten kann und welche Rechtsprechung in der Schweiz dazu gilt.