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Gründerzeitmöbel erkennen – die wichtigsten Merkmale der Epoche und des Möbelstils

Überladen, pompös, verspielt, jedenfalls nicht sehr praktisch: Möbel aus der Gründerzeit passen für viele nicht in die heutige Zeit. Für echte Gründerzeitmöbel werden aber zum Teil hohe Preise geboten. An welchen Merkmalen du erkennst, ob du vielleicht selbst noch ein wertvolles Stilmöbel dieser Epoche unter dem Dachboden verwahrst, ohne es zu wissen, erfährst du in diesem Beitrag.

1. Wissen, was den Möbelstil der Gründerzeit ausmachte

Die Gründerzeit bezeichnet die Phase der aufkommenden Industrialisierung. Auch das Kleinbürgertum nahm jetzt zunehmend Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung der Grossindustrie, die immer mehr auf maschinelle Produktionsprozesse zurückgreifen konnte, um in kürzerer Zeit mit immer grösserem Gewinn immer mehr Güter herzustellen. Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung und der zunehmende Radius, in dem Handelsgeschäfte abgewickelt wurden, führten dazu, dass der wohlhabenderen Bürgerschicht mehr finanzielle Mittel zur Verfügung standen. Es erneuerte Haus und Mobiliar unter modischen Gesichtspunkten, die dem damaligen Zeitgeist entsprachen. Als besonders modern und elegant galten Stilzitate aus der Zeit der Renaissance, der Gotik und des Rokoko. Derartige Nachahmungen des Stils vergangener Zeiten rückte das Bürgertum bei Beauftragung und Erwerb von Möbeln seinem Selbstverständnis nach in grössere Nähe zu den von ihm bewunderten Heroen der Vergangenheit. Eklektizistische Stilzitate, die in mehrfacher Kombination auf unterschiedliche Epochen anspielen, sind darum ein wesentliches Merkmal von Möbeln der Gründerzeit.

2. Der Höhepunkt der Epoche der Gründerzeit

Historiker datieren die Gründerzeit auf den Zeitraum zwischen dem Jahr 1850 und dem Jahr 1873. Als Ende der Gründerzeit setzt die historische Forschung allgemein der Börsenkrach („Gründerkrach“) im gleichen Jahr an. Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges in den Jahren 1870/71 war es nach dem Einbruch der Konjunktur und zahlreichen Spekulationen an der Börse zum Platzen einer Finanzblase gekommen, die vor allem das Bürgertum von Österreich-Ungarn in die sogenannte „Grosse Depression“ riss. Der wirtschaftliche Aufschwung, der die Gründerzeit erst möglich machte, ging damit zu Ende. Der Einfluss der Stilepoche der Gründerzeit wirkt noch leicht über diesen Zeitpunkt hinaus und erstreckt sich bis etwa ins Jahr 1914.

3. Die beliebtesten Materialien kennen, aus denen Stilmöbel der Gründerzeit hergestellt wurden

Antike Möbel der Gründerzeit kennzeichnet die häufige Verwendung von Kirsch- und Nussbaumholz. Etwas seltener wurde auch Birnbaumholz und Eiche oder das weniger kostspielige Fichte- oder Kiefernholz verarbeitet.

4. Die Kennzeichen des Möbelstils der Gründerzeit kennen

Die Form und Gestaltung von Möbeln der Stilrichtung der Gründerzeit mutet aus heutiger Sicht fast immer pompös, überladen und schwer an. Die aufwändige Herstellung und Bearbeitung der Möbelstücke wurde in den jungen, florierenden Handwerksbetrieben der Zeit übernommen. Schreiner- und Tischlermeister überboten sich förmlich dabei, immer ausgefallenere Möbelstücke anzubieten. In manchen Fällen wurden Einzelteile, Ornamente und Zierwerk aber auch bereits seriell in Fabriken gefertigt und von den regional produzierenden Meistern in ihre Entwürfe für die Auftraggeber eingearbeitet.

5. Die besondere Merkmale von Stilmöbeln und Schränken der Gründerzeit erkennen

Zu den beliebtesten Stilmöbeln der Gründerzeit gehören detailreich gestaltete Schränke, Kommoden, Anrichten und Vertikos mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aufsätze, die im Falle einer Restaurierung Schreiner und Tischler, die antike Möbel fachmännisch wieder instand setzen, vor enorme Herausforderungen stellen. Zu den verbreitesten Merkmalen von Mobiliar der Gründerzeit zählen:

  • in Form von Granatäpfelblüten gedrechselte Tisch- und Stuhlbeine (Baluster)
  • spiralförmige Verzierungen an den Möbelausläufern (Voluten)
  • kugelförmige Abschlüsse oder Füsse
  • geschweifte, mit Schnitzereien verzierte Zwickel
  • Festverbund der Holzelemente durch massive Verzargungen beziehungsweise Verzapfungen
  • Kassettenfronten an Truhen, Türen und Schränken
  • Ebonisierung (künstliche Schwärzung) des verarbeiteten Holzes
  • Kanneluren (parallele, künstlich eingearbeitete Rillen) an Platten und Füssen von Tischen und Schränken
  • Zierprofilleisten
  • sonstige Verzierungen mit reichlich Schnitzwerk, Holzapplikationen und (Blumen-) Ornamenten

6. Jugendstil von Gründerzeitmöbeln unterscheiden lernen

Jugendstil- und Gründerzeitmöbel unterscheiden sich nur gering. Beiden Stilen ist die Liebe zum Detail und die Verwendung von Blumenmotiven und zahlreicher Ornamente gemeinsam. Jugendstilmöbel sind in der Regel etwas schlichter gehalten als Möbel der Gründerzeit. Die Entwicklung der Produktionsprozesse von Lampen, Glas und Spiegelglas erreichte erst nach der Gründerzeit ihren Höhepunkt, sodass auch die Produktion derartiger Produkte für die breite Masse der Bevölkerung verzögert einsetzte. Darum finden sich viele Lampen, Spiegel und Spiegelschränke, die von der Stilkunde her eher dem späteren Jugendstil zugeordnet werden. Der Begriff Jugendstil fand um das Jahr 1895 erstmals Verwendung. Er bezeichnet den Möbel-, Kunst- und Architekturstil, der sich angefangen mit der Arts-and-Crafts-Bewegung in Grossbritannien um das Jahr 1880 über Frankreich als „Art nouveau" nach Kontinentaleuropa ausbreitete.

7. Den Möbelstil des Biedermeiers vom Stil der Gründerzeit unterscheiden

Der Biedermeier-Stil kann als Vorläufer und Gegenpol zum vorherrschenden Geschmack der Gründerzeit gesehen werden. Zur Biedermeierzeit (etwa 1815 bis 1848) gefiel der schlichte englische Stil. Während des Biedermeiers dominierte funktionales Mobiliar mit geraden Linien und grossflächigen Arbeitsplatten wie Näh- und Schreibtische, die den Blick auf die Maserung des verwendeten Holzes freigeben. Klare Kanten wurden dem pompösen Protz vorgezogen. Darum fehlen Ornamente, Verzierungen und schmückende Elemente beim Biedermeier-Interieur ganz.

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